3. Zum Zusammenhang zwischen Lern-Stilen und Individuellen Unterschieden
Zum Zusammenhang von Lernstilen mit anderen Faktoren wurden verschiedenste
Untersuchungen durchgeführt. Daraus ergaben sich Ansichten die einen Teil
der in diesem Bereich beschäftigten Forscher mehr teilen als andere.
Eine Gruppe vertritt die Ansicht, daß das Lernverhalten überwiegend durch
Umweltfaktoren wie Temperatur, Geräuschpegel, soziale Stimulanzien oder
andere solcher Faktoren bestimmt wird. Eine andere Perspektive vertritt
die Auffassung, daß die das Lernen bedingenden Faktoren eher in der Person
zu suchen und zu finden sind als in den situativen Aspekten. Für mich ist
die dritte aller Auffassungen die einleuchtendste, die zum Beispiel durch
Jenkins (1979; in Schmeck, 1988) und Bransford (1979; in Schmeck, 1988)
vertreten wird, nämlich daß das Lernergebnis ein Resultat des komplexen
Zusammenwirkens von Faktoren der Person (traits) und der Situation (state)
(Lerninstruktion, Lernmaterial usw.) ist. Ein Modell soll den Zusammenhang
veranschaulichen der infolge der Person-Faktoren auftritt (Abbildung 3).
Abbildung 3: Ein vorläufiges Lern-Stil-Modell nach Schmeck (1983)
Wie im Modell verdeutlicht bedingen sich die Faktoren gegenseitig. Ausgehend
von verschiedenen Persönlichkeitsfaktoren (Traits) werden in angemessener
Weise an die jeweilige Lernsituation, der persönlichen Motivation und dem
jeweiligen Entwicklungsstand geeignete Lernstile gewählt, die zu einem
bestimmten Lern-Resultat führen sollen. Andererseits bedingen bereits
gemachte Lern-Erfahrungen aus früheren Situationen die Auswahl bestimmter
Lernstrategien zu einem späteren Zeitpunkt. Diesen Erfahrensprozess kann
man im linken Teil des Modells einordnen. So können fehlgeschlagene
Strategien gemieden werden oder weil der Fehler auf einem bestimmten
Entwicklungdniveau erkannt wurde neu ausprobiert werden. Andererseits
kann dies aber auch zu mißerfolgs- oder erfolgs-motivierten Herangehensweisen
führen. Schmeck (1983; in Schmeck, 1988) hat diese Zusammenhänge näher
untersucht und dazu sein eigenes standardisiertes Meßinstrument entwickelt
mit dem er dieser Sache nachgehen konnte. Um das Auftreten einer oder
mehrerer bestimmter Lernstrategien bestimmen zu können führte er dazu
cross-situationale Untersuchungen durch und kam zu beachtenswerten,
interessanten Ergebnissen, um die es im folgenden näher gehen soll. Die
folgenden Übersichten veranschaulichen die Resultate in entsprechender
Weise; dabei wurden die Ergebnisse in drei verschiedene Gruppen aufgeteilt
die sich aus der Unterscheidung zwischen Persönlichkeits-faktoren, Lern-Stil,
Lern-Strategie, Lern-Taktiken und dem Lern-Ergebnis ergaben (Abbildungen 4 - 8).
(Zum weiteren Überblicksartigen Verständnis werde ich die Gruppen wie folgt
unterteilen: Gruppe 1 = linke Spalte, introvertiert und deep; Gruppe 2 =
mittlere Spalte, extravertiert und elaborativ; Gruppe 3 = rechte Spalte,
neurotisch, ängstlich und shallow.)
Abbildung 4: Persönlichkeit, Motivation, Entwicklungsstadien nach Schmeck (1983)
In Abbildung 4 wird deutlich welche Vielfalt an Eigenarten jede Gruppe
für sich ausmacht. Am Auffälligsten sind dabei die nach Jung und weiteren
aufgestellten Kategorien introvertiert, extravertiert und neurotisch,
ängstlich. Es ist natürlich klar, daß diese Übersicht keinen Anspruch
auf Gültigkeit erhebt und das man davon ausgehen kann, daß sich die
Gruppen oder Kategorien nicht ausschließen, aber dennoch ein ähnliches
Persönlichkeitsprofil angenommen werden kann.
Betrachtet man die nächste Abbildung (5) im Zusammenhang zur vorherigen
(Abbildung 4) so erstaunt (zumindest) mich die Zuordnung der Lernstile
zu den einzelnen Persönlichkeits-gruppen; hätte ich
doch erwartet, daß extravertierte Personen eher einen oberflächlichen
Lernstil haben und nicht einen elaborativen. Diese Ergebnisse
scheinen also eher durch die Art der Datenerhebung erklärbar
zu sein, als daß sie wirklich Ausdruck von Grundlegendem
sind, wie es die Erhebung versucht hatte herauszufinden. |